#NEUJAHRSANSPRACHE

uniko-Präsidentin Brigitte Hütter
Hütter: "Wir dürfen heiße Eisen nicht aussparen"
uniko-Präsidentin Brigitte Hütter gibt beim Neujahrsempfang eine Vorschau auf ein ereignisreiches Jahr 2026. Das Erarbeiten der Hochschulstrategie 2040, die Verhandlungen über den Budgetrahmen 2028-2030 und ein uniko-Vorschlag zur Integration der Pädagog:innenbildung in die Universitäten sind Schwerpunkte ihrer Rede. "Wir dürfen heiße Eisen bei der Hochschuldebatte nicht aussparen", sagt Hütter. Und: "Auf eine ausreichende Finanzierung der Universitäten muss Verlass sein." Die uniko-Präsidentin im Wortlaut
Wir schauen zurück auf ein forderndes Jahr 2025, ein Jahr voller Turbulenzen und Verwerfungen. Als wir uns ziemlich genau vor einem Jahr am 21. Jänner 2025 hier zum Neujahrsempfang trafen, begann gerade das Dreifachgedenkjahr 80 Jahre Kriegsende, 70 Jahre Staatsvertrag und 30 Jahre EU-Beitritt Österreichs. Akut beschäftigte uns die damals laufende Regierungsverhandlung zwischen ÖVP und FPÖ. Es kam anders, die Verhandlungen platzten, eine neue Bundesregierung aus ÖVP, SPÖ und Neos ging ans Werk. Und urplötzlich klaffte ein riesiges Budgetloch im Staatshaushalt, das zu großen Konsolidierungs- und Sparnotwendigkeiten führte. Und wir erleben in Österreich, in Europa und in der Welt einen nie dagewesenen Transformationsprozess mit KI, digitaler Vernetzung und allen Implikationen in Wirtschaft, Politik und Gesellschaft. Eine Industriekrise ereilt uns, lässt Arbeitsplätze, technologische Vorreiterpositionen, Produktivität und Wohlstand schrumpfen. Weltpolitisch erodieren bisherige Wertvorstellungen, das Recht des Stärkeren scheint Völkerrecht und Ethik abgelöst zu haben.
Universitäten als Orte, die Hoffnung geben
Wenn ich über das vergangene Jahr, die Gegenwart und die nächste, heute absehbare Zukunft spreche, könnte ich unbenommen über Bedrohungen, über kriegslüsterne Despoten, über einen Wettlauf um Erdöl anstatt um Klimaschutz, über Handelskriege und Rechtsbruch an internationalen Schaltstellen der Macht sprechen. Und es kommt einem der Satz von Bertold Brecht in den Sinn: „Kein Vormarsch ist so schwer wie der zurück zur Vernunft.“
Aber wir sind hier in Europa, immerhin wie es scheint, eine der letzten Oasen von Vernunft und Aufklärung, zumindest derzeit noch, und ich möchte dieses Privileg nutzen, um einige grundlegende Themen aufzugreifen, statt mich in leider wohlbegründbaren und allgegenwärtigen Pessimismen zu ergehen.
Diesen Ansatz wähle ich auch, weil ich hier im Namen der Universitäten spreche, also im Namen von Orten, um nicht zu sagen Horten, der sachlichen Diskussion und Auseinandersetzung, deshalb Orten, die Hoffnung geben und geben sollen, die von jungen Menschen aufgesucht werden, um bei uns Perspektiven für ihr Leben zu finden und zu entwickeln.
Lassen Sie uns also in kurzen Zügen über die Bildung in Zeiten der digitalen Transformation/KI, die Hochschulstrategie 2040 sowie– ich kann und will es uns nicht ersparen - über die Finanzen sprechen.
Bildung ud KI: Was wir die Jungen lehren sollten
Wir stehen am Beginn einer Transformation, vielleicht einer Revolution durch den Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI). Was sich dadurch alles ändern wird, ist erst in Ansätzen sichtbar. Es erhebt sich die große Frage: Was bedeutet das für die Bildung? Was müssen wir den Jungen beibringen, damit sie die Maschinen beherrschen?
Für Detailantworten ist es zu früh, aber Einiges scheint gewiss: Überblickswissen, kritisches Denken und Recherchefähigkeit sind Schlüsselkompetenzen der Zukunft. Es gibt immer mehr Daten, eine Überfülle an Detailinformationen. Eine Fähigkeit wird zentral: Wir müssen in der Lage sein zu hinterfragen: Kann das stimmen? Informationen einzuordnen und deren Plausibilität zu prüfen, bekommt eine völlig neue wichtige Bedeutung. Und weiter: Woher kommen die Informationen, was ist die Quelle? Wie komme ich an die Quelle und wie überprüfe ich deren wissenschaftliche Stichhaltigkeit? Ein grundsätzlich skeptischer Blick auf das, was einem digital serviert wird, muss erst gelernt und geübt werden und ist für jeden fachlichen Diskurs, aber auch aus einem humanen, und humanistischen Blickwinkel geboten.
Die besten Schools of Education sind die Universitäten
Grundwissen, Quellenrecherche, Grundfragen der Ethik - das sind wesentliche Elemente wissenschaftlichen Arbeitens. Das sind künftig wohl Kernkompetenzen, die in den Schulen vermittelt werden müssen. Und zwar vom Beginn der Bildungskarriere an. Daher sind wir dafür, dass die Universitäten Schritt für Schritt die Ausbildung und auch die Fortbildung des Lehrpersonals übernehmen. Lehrer:innen sollen einen lebenslangen Bezug zum Fach, das sie unterrichten, und damit zur Wissenschaft bzw. Kunst haben, sie sollen ihre Nabelschnur zur Alma Mater behalten, sie sollen die Herangehensweise, die wissenschaftliche Neugierde an die Kinder vermitteln, sie sollen Botschafter:innen der Wissenschaft, Role Models in den Schulen und Kindergärten sein. Die besten Schools of Education sind die Universitäten.
Gerade vor diesem Hintergrund scheint es mir höchst bedenklich, dass gerade die Frage der Pädagog:innenbildung und der Pädagogischen Hochschulen explizit von der Hochschulstrategie ausgenommen ist.
Interdisziplinär, transformativ und digital: Merkmale jeder modernen Uni
Die Zukunft unserer Gesellschaft ist eng mit der Qualität unserer Bildung, aber auch unserer Bildungsinstitutionen verbunden. Der Gestaltungsrahmen wird von den großen Herausforderungen der Digitalisierung, Globalisierung und des ökologischen und gesellschaftlichen Wandels bestimmt.
Die öffentlichen Universitäten mit ihren 265.000 Studierenden sind der Dreh- und Angelpunkt von Lehre und Forschung/EEK im tertiären Bereich. Sie bilden den weitaus größten Teil der dringend benötigten, hochqualifizierten Arbeitskräfte von heute und von morgen aus. Dem raschen Wandel können wir nur mit dem Ansatz der forschungsgeleiteten oder kunstgeleiteten Lehre begegnen. Die Zeit an der Universität soll Studierende dazu befähigen, über die engen Grenzen der bekannten Disziplinen hinaus reflexiv, kritisch und verantwortungsbewusst zu denken und zu agieren.
Wir stellen also im Kontext der Hochschulstrategie fest: Die Adjektive „interdisziplinär“, „transformativ“ und „digital“ werden zu konstitutiven Merkmalen einer jeden Universität und Hochschule. Dass dies nicht im Widerspruch zu den bestehenden wissenschaftlichen und künstlerischen Disziplinen steht, sei hier betont, wäre aber eine eigene Diskussion.
Gerade im Hinblick auf eine Zukunftsstrategie muss allen vor Augen sein, dass die Rolle und Bedeutung von Forschung sowie deren Lehre für die gesellschaftliche und soziale Fortentwicklung nicht groß genug eingeschätzt werden kann.
Vermissen Debatte über Orientierungsphase, Grundstipendium, Mindestleistungen
Und genau hierfür, für Forschung, EEK und Lehre, benötigt es zukunftstaugliche Rahmenbedingungen. Für die Hochschulen müssen Zugangsregelungen, Studierbarkeit, Studienfortschritt und verbindliches Studieren sowie Maßnahmen für schnelleres Studieren, die Reduktion von Drop-outs und Ursachen für Studienabbrüche diskutiert werden. Insbesondere die studienrechtlichen Rahmenbedingungen sind ein zentraler Aspekt der Hochschulstrategie, den wir derzeit in der Prozessgestaltung schmerzlich vermissen.
Eine Reduktion des frühen Studienabbruchs/Studienwechsels könnte möglicherweise durch mehr Optionen zu Studienbeginn erreicht werden. Ein studienvorbereitendes Orientierungsjahr sollte diskutiert werden, oder die Möglichkeit, an ausgewählten Kursen der Bachelor-Programme – eventuell auch hochschulübergreifend - teilzunehmen und die erworbenen Credit Points auf ein anschließendes Studium anrechnen zu lassen. Das erste Semester der BA-Studien könnte zum Beispiel – und dies ist ebenso zu diskutieren - optional als allgemeines fächerübergreifendes Angebot gestaltet werden, das in verschiedene Bachelorstudien integriert werden kann.
Ein weiteres Thema für die Hochschulstrategie sind die ökonomischen Bedingungen der Studierenden. Die Politik muss sich darum kümmern, dass Studierende in Österreich nicht dermaßen viel arbeiten müssen, um sich über Wasser zu halten. Laut der Studierendensozialerhebung 2023 sind mehr als zwei Drittel der Studierenden im Sommersemester 2023 erwerbstätig gewesen. Für mehr als die Hälfte von ihnen gilt laut eigenen Angaben, dass sie sich das Studium ohne Erwerbstätigkeit nicht leisten könnten. Um aktives Studieren zu ermöglichen, braucht es finanzielle Sicherheit. Damit einhergehen deutlich erhöhte Mindeststudienleistungen, die dann auch gefordert werden können und einen zügigen Studienabschluss möglich machen. Die uniko hat dazu mehrfach ein teilweise rückzahlbares Grundsicherungsstipendium vorgeschlagen, das allen Studierenden unabhängig von ihrer sozialen Herkunft ermöglichen soll, die geforderte Studienaktivität zu erreichen.
Universitäre Forschung ist Basis für Wettbewerbsfähigkeit
Ich komme zur Forschung bzw. zu deren Pendant die Entwicklung und Erschließung der Künste (EEK): Wer über den Hochschulstandort nachdenkt, denkt – auch und gerade in einer Hochschulstrategie - über den Forschungsstandort nach. Dies gilt insbesondere in Zeiten massiver wirtschaftlicher Umbrüche, sinkender Wirtschaftsleistung und internationaler Wettbewerbsnachteile.
Reimund Neugebauer, der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft, formuliert dazu: Freie Forschung ist die Grundlage für exzellente, werteorientierte Innovationen.
Sinkende Wirtschaftsleistung kann nur durch Innovation kompensiert werden, und Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsimpulse kommen aus Forschung und Kreativität. Laut WIFO führen 81 Prozent aller Unternehmen mit Hochschulkooperationen Marktneuheiten ein. Schon derzeit stammen laut WIFO zehn Prozent des jährlichen Wachstums des realen BIP von den Hochschulen.
Wie eine jüngste Studie des österreichischen Patentamts zeigt, sind die Universitäten der bei weitem wichtigste Akteur bei den Anmeldungen von Patenten und Gebrauchsmustern unter den dargestellten Forschungseinrichtungen. Sie
stellen fast drei Viertel der Gesamtanmeldungen der untersuchten Forschungseinrichtungen im Zeitraum 2000–2024.
Zu den Wettbewerbsfaktoren für Betriebsansiedelungen und Unternehmensgründungen gehören neben den Produktionskosten und der Abgabenlast mit Sicherheit die Nähe zu exzellenter Forschung und Lehre, also zu Universitäten. Dass die Universität Wien 2025 unter die Top-100 Universitäten und die Medizinische Universität Wien in die Top-200 im THE-Ranking aufgerückt sind, bezeugt diese Exzellenz gerade auch angesichts der Rahmenbedingungen unseres Systems.
Es braucht also ein klares Bekenntnis der Politik zur Basisfinanzierung der Forschung an den Universitäten. Zusätzlich braucht es gut dotierte Forschungsfördereinrichtungen, deren Mittel kompetitiv vergeben werden. Spielen wir doch diese beiden wichtigen Säulen des Forschungsfinanzierungssystems nicht gegeneinander aus, es ist kein entweder oder sondern ein sowohl als auch. Das lange Zögern beim Abschluss des FTI-Paktes und die Geräusche im Vorfeld zeugen nicht von dem nötigen Verständnis der politisch Verantwortlichen für die Rolle der Forschungseinrichtungen, universitär und außeruniversitär, für die Zukunft unseres Landes.
Kapitalmarktreformen und Welcome-Kultur für Forscher:innen gefordert
Die teilweise Kopplung des FTI-Pakts mit der Industriestrategie ist vor dem Hintergrund der wirtschaftlichen Situation verständlich. Forschung ist aber ein Schlüsselbereich und verdient eine angemessene Wertschätzung – nicht nur, aber auch in der öffentlichen Präsentation. In Bezug auf die Industriestrategie erwarten die Universitäten wichtige Weichenstellungen, etwa Kapitalmarktreformen auf nationaler und europäischer Ebene für eine ausreichende Finanzierung von Start-ups sowie eine Welcome-Kultur für Jungforscher:innen und Spitzenkräfte aus Drittstaaten.
Denn jede Hochschulstrategie muss sich im europäischen und internationalen Kontext bewegen. Die Universitäten werben im internationalen Wettbewerb um die besten Studierenden, Forscher:innen, Künstler:innen und Mitarbeiter:innen. Es ist daher angezeigt, Rahmenbedingungen zu schaffen, die qualifizierten Personen aus dem Ausland den Zugang zu Universitäten erleichtern und es ermöglichen, diese nach dem Studienabschluss auch im Land zu halten. Gerade im vergangenen Jahr bemühten wir Universitäten uns intensiv um von der Trump-Regierung verprellte Wissenschafter:innen. Österreichs Angebot richtet sich auch global an all jene Wissenschafter:innen, denen die USA nun nicht mehr als das Mekka der Forschung erscheinen, und die sich nun umorientieren. Die jüngste Ankündigung der Regierung, sich um internationale Spitzenkräfte aus Drittstaaten zu bemühen, sehen wir entsprechend positiv.
National und international braucht es aber in der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und in der Gestaltung von Karrieremodellen mehr Querdurchlässigkeit zwischen Praxis und Hochschulbetrieb, aber auch zwischen verschiedenen Hochschultypen.
Gerade in Österreich muss von einem weiteren unkoordinierten Ausbau des tertiären Bildungssektors dringend abgeraten werden, vor allem aus Qualitäts-, Effizienz- und Kostengründen. Die notwendige Profilschärfung im Hochschulsektor muss durch eine stringente Aufgabenteilung unter den Sektoren erfolgen. Nur die Universitäten verfügen über die notwendige kritische Masse originärer Forschung und Infrastruktur, um ein exzellentes Forschungsumfeld nach internationalen Standards für Promovierende zu gewährleisten.
Zusammenfassend: Das Vorhaben und die Themensetzung der Hochschulstrategie 2040 mit dem Fokus auf Hochschulen als Gestaltungskräfte einer lebhaften, wehrhaften Demokratie sind notwendig und sehr zu begrüßen. Wenn wir es damit ernst meinen, dann müssen wir in die Tiefe der Diskussion, der Profilschärfung, der Rahmenbedingungen und der Substanz von Forschung und Lehre tauchen und dürfen heiße Eisen nicht aussparen. Resilienz als Gebot und Begriff der Stunde kann nicht erzeugt werden, indem losgelöst von dieser Substanz diskutiert wird. In diesem Sinn werden sich die Universitäten sehr aktiv, konstruktiv-kritisch und diskursiv in den Prozess der Hochschulstrategie einbringen.
Erfahrungen mit Finanzierungsversprechen der Regierung bisher "ungünstig"
Im Herbst 2026 wird der Bundesfinanzrahmen die budgetären Möglichkeiten für die Leistungsvereinbarung 2028-2030 festlegen. Es steht also – nicht nur angesichts des bestehenden Sparzwangs - eine Entscheidung von immenser Tragweite an.
Budgets für Universitäten sind Investitionen in die Zukunft – damit meine ich natürlich die konkreten Universitätsbudgets, ebenso meine ich aber Investitionen in die Rahmenbedingungen für Wissenschaft, Forschung und Kunst. Und zu beidem sind die Erfahrungen aus dem gerade zu Ende gehenden Jahr ungünstig.
2025 wurde ein klaffendes Loch im Staatshaushalt bekannt. Im Frühjahr 2025 konnte die uniko verhindern, dass die Regierung in die Leistungsvereinbarungen mit den Universitäten eingreift und Universitätsbudgets kürzt. Stattdessen wurden 129 Millionen aus der Ministerreserve abgezweigt. Diese fehlen letztlich allerdings auch den Universitäten, etwa für ein zukunftsweisendes gemeinschaftliches KI-Projekt.
Im Herbst 2025 war wieder Feuer am Dach, die Regierung schaffte die Finanzierung des FTI-Pakts nicht. Die Universitäten halfen insofern, als sie dem FWF 146 Millionen zur Verfügung stellten. Im Einvernehmen wurden 22 Leistungsvereinbarungen für das Jahr 2027 abgeändert und der ausstehende Betrag einmalig solidarisch aufgebracht.
So bemerkenswert die Geschlossenheit der uniko bei diesem - auch angesichts des geringen Gehaltsabschlusses - schwierigen Vorgang war und ist, so bedenklich ist der Vorgang selbst.
Ein Eingriff in das Finanzierungssystem der Universitäten, in die Leistungsvereinbarungen, ist nicht nur eine Geldfrage, sondern berührt unmittelbar die Autonomie der Universitäten und ist somit auch eine Frage von Demokratie und Resilienz.
Das Forschungs- und Wissenschaftsprogramm der Bundesregierung fand im Frühjahr 2025 positive Resonanz, weil die Regierung u. a. eine starke Forschungsfinanzierung versprach. Diese Zusagen wurden allerdings im Jahr 2025 insofern nicht eingehalten, als der Fonds Zukunft Österreich offenkundig nicht mehr finanziert wird, der FTI-Pakt für die drei Jahre 2027-29 nicht fristgerecht vorgelegt wurde und für das Jahr 2027 nur mit Hilfe der Umleitung von Universitätsgeldern ermöglicht wird.
Das Budget ist die in Zahlen gegossene Politik.
Oder soll ich sagen, wir haben eine Politik erlebt, die sich des Wertes von Universitäten nicht hinreichend und über Lippenbekenntnisse hinaus bewusst ist?
Es geht nicht um triennale Folklore, sondern um unsere Zukunftsfähigkeit
Wir brauchen politische Akteure, die die Finanzierung der Universitäten ganz oben auf ihre Agenda nehmen, ihr Stellenwert und Budget zusichern. Für unser aller Zukunft hat es absolute Priorität, dass Forschung und Lehre, Kunst und Kultur und die Ausbildung der Schlüsselarbeitskräfte in Industrie und Wirtschaft, für das Gesundheitswesen, für den Rechtsstaat und das Bildungssystem, aber auch für die Gestaltung der digitalen Transformation und vieles mehr – eben an den Universitäten - gewährleistet ist.
Wissenschaft und Kunst agieren kritisch und diskursiv. Wenn kritische Stimmen durch mangelnde Geldmittel im Zeichen einer rigiden Sparpolitik Gefahr laufen, zum Schweigen gebracht zu werden, dann wackeln die grundrechtlichen Freiheiten von Wissenschaft und Kunst. Und: Wir stehen mit Forschung und Kunst im internationalen Kontext und leben von der internationalen Zusammenarbeit. Der Wettbewerb um die besten Köpfe ist ein Wettbewerb auf internationalem Parkett und wir können nur mitspielen, wenn die Rahmenbedingungen und vor allem die finanzielle Basis stimmen.
Bitte verstehen Sie mich richtig: Es geht nicht um einen institutionellen Selbsterhaltungstrieb, der ist den Universitäten als einer der ältesten Institutionen Europas ohnehin inhärent. Es geht auch nicht um die triennale Folklore eines Budgetlamentos oder die Beibehaltung von Erbpachten. Es geht um unsere Zukunftsfähigkeit in Wirtschaft, Gesellschaft und Gemeinwesen.
Verantwortliches politisches Handeln muss die notwendige und ausreichende Finanzierung der Universitäten gewährleisten, inflationsgesichert, mit einem Wachstumspfad in Zukunftsthemen und mit Planungssicherheit für mindestens 3, gerne auch mehr Jahre.
Es muss Dinge geben, auf die Verlass ist
Es wäre der Offenbarungseid der Politik, Sparkurs hin oder her, wenn sie ausgerechnet hier die ausreichende Finanzierung nicht zustande brächte. Bei allem Verständnis für Budgetnöte, aber es gibt Prioritäten im Sinne der Gesamtgesellschaft. Nochmals: Budget ist in Zahlen gegossene Politik. Es geht um unsere Zukunft.
Wenn die Bundesregierung verspricht, dass wir ein sicherer Hafen für Wissenschafter:innen sind, dann muss sie auch zu deren Finanzierung stehen. Ausgaben für Universitäten sind keine bloße Kostenposition, sie sind Investitionen, deren Return on Investment nicht hoch genug eingeschätzt werden kann und unverzichtbar ist und bleibt.
Es scheint gerade Vieles ins Wanken zu geraten, aber es muss Dinge geben, auf die Verlass ist. Und dazu gehört die ausreichende Finanzierung von Lehre, Forschung und Kunst an Universitäten.
In diesem Sinne wünsche ich Ihnen und uns allen ein glückliches neues Jahr 2026.
