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"Wir nehmen es nicht hin": Rede von uniko-Präsidentin Brigitte Hütter auf der Großdemo gegen Sparpläne

Durch die Verschiebung der LV-Verhandlungen in den Herbst ist die Gefahr eines Rückbaus der Universitäten noch nicht gebannt

27. Mai 2026

Deutlich mehr als 20.000 Menschen sind am Mittwoch dem Aufruf der ÖH und der uniko gefolgt und haben gegen die Regierungspläne zur Kürzung der Universitätenfinanzierung demonstriert. uniko-Präsidentin Brigitte Hütter sprach - unter viel Applaus- auf der Demo-Bühne am Ballhausplatz vor dem Bundeskanzleramt.

Die Rede im Wortlaut:

Die ÖH, die Arbeitnehmervertretungen, die Gewerkschaften sowie die Universitäten stehen geschlossen zusammen und kämpfen gegen die Kürzungspläne bei der Universitätenfinanzierung. Das Vorhaben der Bundesregierung, den Universitäten auf Jahre hinaus keinen Cent Inflation abzugelten und zusätzlich die Substanz der Finanzierung zu kürzen, ist inakzeptabel.

Die Welt befindet sich in einem Technologiewettlauf, Europa muss alles daransetzen, um nicht abgehängt zu werden. Die EU-Kommission hat das erkannt, und will die Finanzierung von Wissenschaft und Forschung massiv erhöhen.

Vorherige österreichische Bundesregierungen haben das auch erkannt und die Finanzierung der Universitäten gestärkt, um Österreichs Wettbewerbsfähigkeit als Industrie- und Exportland zu erhalten.

Doch die aktuelle Bundesregierung hat sich vom Ziel ihrer Vorgängerinnen, in tertiäre Bildung und Forschung/EEK zu investieren, verabschiedet. Für sie sind Forschung und Wissenschaft keine Schwerpunkte.

KI, Robotik, Quantencomputing, die Digitalisierung fast aller Lebensbereiche: Wir befinden uns inmitten einer technologischen Umwälzung, deren Chancen man nutzen, deren Gefahren (z.B. Cybersecurity) man aber auch rechtzeitig erkennen muss. Das erfordert bestausgebildete junge Menschen, Investitionen in oft teure Infrastruktur wie Rechenzentren und Labore, es erfordert begleitende Forschung und ständigen internationalen Austausch. Wenn Österreich hier nicht mithalten kann, wird es abgehängt.

Der Klimawandel bedroht unsere Lebensgrundlagen, was eine weitere, fundamentale Umwälzung zur Folge hat: die dringend notwendige Abkehr von fossiler Energie. Wir brauchen Forschung, um die Folgen des Klimawandels zu beherrschen, um neue Technologien für leistbare Erneuerbare und Ressourcenschonung zu entwickeln.

Universitäten sind Lebensadern für die Gesellschaft

Staatsausgaben für Universitäten sind keine Konsumausgaben. Sie sind Investitionen, sie kommen zurück, und zwar in veredelter Form. Universitäten sind Lebensadern, sie versorgen das Gesundheitssystem mit Ärzt:innen, die Gesellschaft mit Jurist:innen, das Bildungssystem mit Pädagog:innen. Die Wirtschaft mit Technologie und mit Fachkräften. Und das alles auf dem letzten Stand der Forschung.

Es ist für uns nicht hinnehmbar, den jungen Generationen Bildungschancen wegzukürzen. Wir nehmen es nicht hin.

Wir nehmen es nicht hin, dass dem wiss. Nachwuchs keine Chance gegeben wird.

Wir nehmen es nicht hin, dass wir bis zu tausende Stellen streichen sollen.

Wir nehmen es nicht hin, dass bei Forschung und Wissenschaft den Sparstift angesetzt wird..

Die Universitäten leisten Enormes – für nur vier Prozent am Gesamtbudget.

Es ist inakzeptabel, dass die Bundesregierung die Unis schlechtredet, weil sie selbst keine Strukturreformen zustande bringt und bei der Budgetkonsolidierung den Rasenmäher nimmt.

Wir stehen heute dafür ein, dass die kommenden Studierendengenerationen gute Bildungschancen haben.

Wir stehen heute dafür ein, dass die Universitäten weiterhin forschen und lehren können, um unsere Lebensgrundlagen und unsere Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten.

Und wir treten heute dagegen auf, dass die Bundesregierung eine fehlgeleitete Sparpolitik betreibt und dies auch noch mit fragwürdigen Aussagen gegen die eigenen Universitäten zu kaschieren versucht.

Die Gefahr eines Rückbaus bei den Universitäten ist nicht gebannt

Vor einer Woche haben wir gehört, die Universitäten bekämen 2028-2030 - 15,5 Milliarden Euro Dreijahresbudget, eine Milliarde weniger als aktuell. Gestern Abend nach viel Druck und unserem Aufschrei hören wir, dass sich die Bundesministerin dafür einsetzt, dass Nominell dasselbe Budget als aktuell mit einem Plus gegeben wird. Wie hoch ist dieses Plus? Ist Inflationsabgeltung wirklich ein Diskussionsthema bei Wissenschaft und Forschung? Wer sagt, dass sich die Ministerin in der Regierung durchsetzt?

Die Gefahr eines Rückbaus von Universitäten ist bei weitem nicht gebannt. Insbesondere gibt es jetzt für das Doppelbudget 2027/2028 die Aussage, das Wissenschaftsbudget bleibe 2028 nominell wie bisher, das Ressort müsse aber eine Einsparung in Höhe von 190 Mio Euro schaffen und über die Ärztegehälter hat mach sich noch nicht geäußert. Ein – wenn auch nur nominelles Gleichbleiben eines Budget sieht anders aus und es handelt sich 2028 um das erste Jahr der nächsten Leistungsvereinbarung.

Im Herbst gibt es eine Regierungsklausur zu Wissenschaft und Forschung, immerhin, man ist gedanklich einen Schritt weiter als vor einer Woche.

Wir fordern Haltung von unserer Regierung

Wir fordern Haltung von unserer Regierung, keine im Zuge der letzten Tage aufkommenden Unterstellungen, wir seien ineffizient. Wer in regierender Position einen solchen Verdacht hegt, sollte lieber früher als später – und nicht erst bei aufkommenden Stürmen in einer veritablen Finanzeriungskriese - zu diesem Thema mit uns ins Gespräch kommen. Die Uniko hat mehrere Vorschläge zu Systemreformen des Hochschulwesens, zu Effizienzmaßnahmen oder zur Weiterentwicklung unseres Hochschulstandortes Österreich in Europa gemacht. Nichts davon wurde auch nur einmal aufgegriffen. Jetzt zu unterstellen, wir würden nicht beweglich sein oder ineffizient, ist einfach ein Affront.

Wir lassen uns dies nicht bieten, wir kämpfen für unsere Universitäten, Lehre, Forschung, Wissenschaft und Kunst sowie für unsere Mitarbeiterinnen und Studierenden.

Es ist ein Offenbarungseid, welchen Stellenwert diese Bundesregierung den Universitäten einräumt.

Diese Regierung hat sich als safe haven für Wissenschafter:innen präsentiert, die vor Trump fliehen. Nun ist sie nicht einmal für die heimischen Unis ein sicherer Hafen.

Gerade in der Wissenschaft sind Planungssicherheit und langfristige Finanzierungen Voraussetzungen für Erfolg. Deswegen spielt auch die Planungssicherheit im Universitätsgesetz eine große Rolle. Das UG, die Autonomie der Universitäten, sind eine Erfolgsgeschichte, um die uns viele in Europa beneiden. Die Budgetpläne sind ein mehr als herber Rückschlag und es wird lange dauern, sich davon zu erholen.

Und ein Wort noch zu Europa: Dort versucht man gerade, das Budget für Wissenschaft und Forschung zu verdoppeln, jedenfalls massiv zu erhöhen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Uns wurde im Zuge der Budgetinformation wortwörtlich mitgeteilt: „Wissenschaft und Forschung sind keine Schwerpunkte dieser Bundesregierung.“ Dass dies nun anders sein soll und es dazu eine Regierungsklausur im Herbst geben soll, ist Ausfluss unseres Aufschreies, unseres Widerstandes.

Bleiben wir widerständig!

Bleiben wir widerständig und kämpfen wir für das Richtige, für die Zukunft unserer Universitäten und damit für die Zukunft unseres Staates.

Die drohende Finanzierungslücke beschneidet die Zukunftschancen der Studierenden, Lehrenden, Forschenden und administrativ tätigen Kolleg:innen.

Wir fragen die Politik: Wie sollen Lohnrunden künftig bezahlt werden? Durch Kompensationskündigungen? Und wie sollen die geforderten Entfristungen von Jungwissenschafter:innen möglich werden? Wie wollen sie junge begabte Wissenschafter:innen fördern, wenn nicht die Möglichkeit des Einstiegs in eine wissenschaftliche Karriere besteht?

Möglichst gute Betreuungsverhältnisse zwischen Lehrenden und Studierenden sind eine Grundvoraussetzung guter Studienqualität. Die Reduktion im Budget und damit im Personal gefährdet die Qualität und die Dauer der Studien an den Universitäten.

Stehen wir zusammen! Stehen wir für die Universitäten ein!

Danke, dass sie alle gekommen sind, danke für die Unterstützung!

Wenn nötig kämpfen wir – heute und auch im Herbst -  für 270.000 Studierende und 68.000 Mitarbeiter:innen!

Wir fordern die nötigen Ressourcen für unsere Universitäten und damit für die Zukunft künftiger Generationen und die Zukunft unseres Landes!