Digitale Souveränität stärken
12.10.2026
12.10.2026
Mit Oktober sind neue Studienpläne für das Lehramtsstudium Sekundarstufe Allgemeinbildung an den Universitäten und in den Verbünden mit den Pädagogischen Hochschulen in Kraft getreten. Das von vier auf drei Jahre verkürzte Bachelorstudium umfasst neuerdings 180 ECTS (zuvor 240 ECTS), das zweijährige Masterstudium 120 ECTS.
Neben der kürzeren Studiendauer bedeuten die neuen Curricula weitere Änderungen wie einen stärkeren Praxisanteil oder die Vermittlung von Grundlagen in Deutsch als Zweitsprache sowie inklusive Pädagogik für alle Lehramtsstudierenden.
„Mehr Unterrichtspraxis und neue Aufgaben im Curriculum bei gleichzeitig verkürztem Studium haben die uniko dazu bewogen, eine Erleichterung für die Studierenden zu befürworten“, sagt uniko-Präsidentin Brigitte Hütter. „Künftig soll Latein generell für Lehramtsstudien nicht mehr erforderlich sein – mit Ausnahme natürlich Latein als Lehramt.“
Die uniko ist bei der Protestaktion heute, 13. Oktober, auf der Wiener Ringstraße keine offizielle Mitveranstalterin. Dennoch erklären die Rektorinnen und Rektoren ihre Unterstützung für die Proteste der Studierenden. „Die Signale aus dem Umfeld der Regierung sind einfach zu alarmierend, als dass wir stillhalten und mögliche Regierungsbeschlüsse am kommenden Wochenende einfach abwarten könnten“, sagt uniko-Präsidentin Brigitte Hütter. „Wir hatten am Montag eine Plenarversammlung der Rektorinnen und Rektoren, und es herrscht bei allen der Eindruck, dass den politisch Verantwortlichen die dramatischen Folgen eines budgetären Einschnitts bei den Universitäten nicht ausreichend bewusst sind.“
Die Universitäten warnen die Regierung vor massiven Auswirkungen auf das Personal.
„Wir haben eine äußerst hohe Personaltangente. Der Sachaufwand ist deutlich geringer und weniger disponibel, denn man kann nicht einfach die Stromrechnung oder die Miete nicht bezahlen“, sagt Hütter. „Wenn wir zehn Prozent einsparen müssen, bedeutet das also annähernd zehn Prozent Personalkürzung. Bei 68.000 Mitarbeitenden wäre dies umgerechnet in Stellen ein Minus von 6800. Das kann man mit Nicht-Nachbesetzen von Pensionierungen nicht schaffen. Das führt unvermeidbar zu Kündigungen.“
"Null-Lohnrunden bei steigender Inflation undenkbar"
Die uniko erinnert daran, dass die 68.000 Universitätsangehörigen 2026 und 2027 bereits zwei magere Gehaltsrunden akzeptiert haben. „Es ist undenkbar, bis 2030 Null-Lohnrunden zu machen, noch dazu bei schon wieder steigender Inflation. Aber wenn es vom Bund keine Inflationsabgeltung gibt, ziehen auch Lohnerhöhungen zwangsläufig Kündigungen nach sich.“
Die desaströsen Folgen eines überzogenen Sparprogramms
Die Auswirkungen eines solchen Sparkurses wären desaströs. Die Betreuungsverhältnisse zwischen Lehrenden und Studierenden würden sich wieder verschlechtern. Im Forschungsbereich würden Österreichs Universitäten an Wettbewerbsfähigkeit verlieren, was auch finanziellen Schaden verursacht, etwa, indem man im Einwerben von EU-Forschungsförderung Chancen einbüßt. „Es sind vor allem die Jungen, die draufzahlen, wenn es weniger Stellen und weniger Forschungsprojekte gibt. Und fehlender Forschungsnachwuchs wirkt auf Jahrzehnte negativ nach. Nicht nur Österreichs Universitäten würden zurückgeworfen, sondern das ganze Land, seine Wirtschaft und seine Gesellschaft würde darunter leiden“.
Auch Regionen, Bundesländer, Universitätsstädte betroffen
Auch die Regionen, die Bundesländer, die Universitätsstädte würden den Sparkurs der Bundesregierung zu spüren bekommen. „Die Universitäten sind ein Bollwerk gegen die Abwanderung, unter der viele Bundesländer leiden. Die Universitäten ziehen junge Menschen auch aus anderen Regionen und Ländern an. Das belebt die Städte und bringt Fachkräfte für die Wirtschaft“, sagt Hütter.
Appell, an die junge Generation zu denken
Die uniko appelliert eindringlich an die Politik, von drastischen Einschnitten abzusehen. „Wir haben immer gesagt, dass wir einen Sparbeitrag leisten können. Im Raum stehen aber Einschnitte, wie sie in keinem anderen Bereich vorgenommen werden. Wir fordern die Regierung auf, Augenmaß zu bewahren, keine Entscheidungen gegen die junge Generation zu treffen und die Wettbewerbsfähigkeit des Landes zu fördern.“
Die Universitätenkonferenz (uniko) fordert die Regierung auf, "ihre Verantwortung für die Universitäten wahrzunehmen". Bis 31. Oktober muss das Budget der Unis für 2028 bis 2030 feststehen, zuletzt waren Kürzungen im Gespräch. Uniko-Präsidentin Brigitte Hütter zeigte sich in einer Aussendung "sehr besorgt über die Nonchalance bis hin zur Fahrlässigkeit, mit der die technologische Wettbewerbsfähigkeit des Landes und die Ausbildung der nächsten Generationen behandelt werden". Nach Bekanntwerden der ersten Budgetpläne im Frühjahr gab es Proteste von Studierenden, Lehrenden und Rektoraten. Anschließend vertagte die Regierung die eigentlich für die Budgetrede geplante Entscheidung über das Uni-Budget in den Herbst - Ende Oktober läuft die gesetzliche Frist dafür aus. Gleichzeitig kündigte Wissenschaftsministerin Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) eine Regierungsklausur davor an und wollte um ein "moderates Plus" kämpfen. Die Klausur hat bisher nicht stattgefunden, im Kanzleramt wollte man davon zuletzt nichts wissen und stellte nur "Sitzungsformate im kleinen Kreis mit den Parteispitzen" in Aussicht, bei denen die Unis sicher auch einmal dabei wären.
uAwg